Banken, Versicherungen, Asset Manager und weitere Unternehmen des Finanzsektors sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Identitäten ihrer Kunden festzustellen (KYC) und Transaktionen zu prüfen, die auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung hinweisen könnten (AML).
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Banken, Versicherungen, Asset Manager und weitere Unternehmen des Finanzsektors sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Identitäten ihrer Kunden festzustellen (KYC) und Transaktionen zu prüfen, die auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung hinweisen könnten (AML).
Die Zahl der zu prüfenden Verdachtsfälle und der damit verbundene Zeitaufwand sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Zum einen, weil der behördenseitige Druck auf Finanzinstitute durch immer umfangreichere Prüf-Vorschriften zugenommen hat. Zum anderen, weil die Methoden der Betrüger immer ausgefeilter werden.
Im Folgenden geben wir einen Überblick über die gängigsten Betrugsmethoden und einige Signale, die eine individuelle Fallprüfung nahelegen.
Identitätsdiebstahl und Identitätsfälschung
Betrüger versuchen nicht selten, sich mithilfe gestohlener Identitäten als jemand anderes auszugeben als sie tatsächlich sind. Der Gedanke dahinter: Gelingt es, sich als ein Kunde zu tarnen, der dem Finanzinstitut bereits bekannt ist, lassen sich z.B. einige KYC-Prozesse für Neukunden umgehen.
Ebenso kommt es vor, dass Betrüger unter einer vollständig gefälschten Identität auftreten. Name, Adressen und weitere persönliche Informationen stimmen dabei nicht mit einer real existierenden Person überein.
Anzeichen die auf Identitätsdiebstahl oder Identitätsfälschung hindeuten, können z.B. sein.
- Unstimmige Informationen: Wenn ein Kunde im Rahmen einer Transaktion persönliche Informationen angibt, die nicht zu seinen bereits bekannten Daten passen; beispielsweise eine Adresse, die im Zusammenhang mit seinem Namen unbekannt ist.
- Verdächtige Dokumente: Wenn ein Kunde Dokumente mit ungewöhnlichen Merkmalen vorlegt. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich um Fälschungen handelt.
- Schwierige Identitätsüberprüfung: Wenn ein Kunde Schwierigkeiten hat, seine Identität zu bestätigen, z.B. wenn er die Bestätigung merklich verzögert.
- Ungewöhnliche Transaktionen: Wenn ein Kunde plötzlich Summen transferiert, die weit über den für ihn üblichen Beträgen liegen; oft auch auf bis dahin unbekannte Konten oder in ein neues Land. Dies könnte ein Hinweis auf Identitätsdiebstahl sein.
Smurfing
Als „Smurfing“ oder auch „Structuring“ bezeichnet man das Einzahlen oder Verschieben vieler kleiner Geldbeträge unterhalb der AML-Schwelle. Unrechtmäßig erworbene Gelder werden in kleinere Beträge zerteilt, um sie unterhalb des Radars transferieren zu können; häufig zur Zahlung gefälschter Rechnungen. Verdachtsmomente hierfür können z.B. sein:
- Häufige Bargeld-Transaktionen: Wenn ein Kunde sehr oft Bargeldsummen unterhalb der Meldegrenze auf verschiedene Konten einzahlt und von dort abhebt. Oder auch, wenn Bargeld in großem Umfang zum Kauf von Waren oder Dienstleistungen genutzt wird, die üblicherweise elektronisch bezahlt werden.
- Schnelle Transaktionsabfolge: Wenn ein Kunde viele Überweisungen in kurzen Zeitabständen tätigt, die unterhalb dem Meldepflichtwert liegen.
- Ungewöhnliche Transaktionsmuster: Wenn ein Kunde Summen unterhalb der Meldegrenze auf oder von Konten überweist, die normalerweise kaum aktiv sind oder zwischen denen keine offensichtliche Verbindung besteht.
Layering
Als “Layering” bezeichnet man eine Geldwäsche-Technik, bei der viele komplexe Transaktionen durchgeführt werden, um illegale Gelder von ihrem Ursprung zu entkoppeln. Dabei reist Geld durch viele Länder, Banken und Finanzinstrumente – solange, bis dessen Ursprung kaum noch nachvollziehbar ist. Indikatoren für Layering können z.B. sein:
- Verwendung komplexer Finanzinstrumente: Wenn ein Kunde komplexe Finanzinstrumente z.B. Derivate nutzt.
- Geschäfte mit Hochrisikoländern: Wenn ein Kunde Überweisungen aus oder in Staaten vornimmt, die als Hochrisikoländer für Geldwäsche gelten.
- Geschäfte mit Hochrisiko-Unternehmen: Wenn ein Kunde Transaktionen mit Unternehmen durchführt, die ungewöhnliche Geschäftsmodelle haben oder in Branchen tätig sind, die häufig mit Geldwäsche in Verbindung gebracht werden.
- Geschäfte mit Hochrisiko-Personen: Wenn ein Kunde Geschäftsbeziehungen zu Personen unterhält, die auf internationalen Sanktionslisten stehen oder mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden.
Kryptowährungen
Kryptowährungen bieten Anonymität und können für den grenzüberschreitenden Geldtransfer mit minimaler Regulierung verwendet werden, was sie für Betrüger sehr attraktiv macht.
Durch die voraussichtlich 2024 in Kraft tretenden MiCa-Vorschriften wird jedoch der Umtausch von Krypto-Assets in Fiatwährungen reguliert. Demnach müssen zukünftig an allen Handelsplätzen Informationen über Sender und Empfänger abgefragt werden, unabhängig von der Höhe des Betrags. Anzeichen, dass dabei etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, können z.B. sein:
- Ungewöhnliche Transaktionsmuster: Wenn ein Kunde in schneller Abfolge Summen unterhalb der AML-Grenzen in eine Kryptowährung tauscht oder umgekehrt.
- Unklare Herkunft: Wenn ein Kunde nicht zufriedenstellend erklären kann, woher ein höherer Betrag in Kryptowährung stammt bzw. wie er erwirtschaftet wurde.
- Verdächtiges Verhalten: Wenn ein Kunde verdächtig wenig Wissen über die von ihm verwendete Kryptowährung zeigt.
- Dubiose Krypto-Börsen: Wenn ein Kunde Geschäfte über Kryptowährungsbörsen tätigt, die nicht reguliert sind oder in Ländern tätig sind, die als Hochrisikoländer für Geldwäsche gelten.
Was können Unternehmen tun?
Damit die Finanzbranche erfolgreich gegen Geldwäsche vorgehen kann, ist ein weitreichendes Bewusstsein für die Problematik notwendig. Regelmäßige Schulungen und Weiterbildung von Mitarbeitenden über die neuesten Betrugstaktiken können dazu maßgeblich beitragen.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die breite Implementierung automatisierter Lösungen, wie z.B. der AML-/KYC-Suite von cleversoft. Die intelligenten Tools des Systems erkennen mit hoher Zuverlässigkeit verdächtiges Verhalten und melden Vorgänge, die eine individuelle Fallprüfung erfordern. Die Effizienz und unternehmensinterner Prüfprozesse wird dadurch erheblich gesteigert, während sich der Zeitaufwand deutlich reduziert.
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